Translate

14.12.15

Selbsterkenntnis

Wisst ihr, was schlimm ist? Sich selbst eingestehen zu müssen dass die Grenze der eigenen Leistung erreicht sind. Da braucht es nur einen ganz kleinen Auslöser und schon sitzt man da und überlegt was das beste für einen ist, und fängt an, an sich selbst zu zweifeln. Ich bin jetzt fast 50 und komme mir leistungsfähig vor wie 70. 
Seit Juli 2013 hatte ich seit langen wieder eine Arbeit. Es war nicht die Arbeit, welche ich mir für mich vorstellte, aber es war Arbeit und ich brachte zu meiner Rente noch ein Einkommen nach hause. Es war ein super gutes Gefühl. Nun kam es leider anders als wir uns dachten. Unser Arbeitgeber musste sein Geschäft aufgeben und wir wurden von einer anderen Firma übernommen. 
Da war schon das erste Mal wieder angst im spiel. Angst ist zu schaffen was neu verlangt wird, Angst können die Stunden so bleiben wie sie bisher waren, wie sind die neuen Arbeitskollegen und so weiter. Zumal der alte Arbeitgeber zusicherte (leider nur mündlich) das alles so bleibt wie vereinbart. Nur wusste ich da noch nicht, das dies auf mich nicht zutrifft.

Da wir froh waren nicht zum Amt zu müssen, stellte ich mich den neuen Aufgaben. Schulung für drei Bereiche. Schon vor der ersten Prüfung hätte mir die Panikattacke sagen müssen das etwas nicht stimmt. Die Schulung an sich war nicht schwer, es viel mir aber nicht leicht allem zu folgen. Es war für mich unbegreiflich, wie kommt es das jetzt schon meine Leistungsfähigkeit so dermaßen nach lässt. Denn noch war das Prüfungsergebnis für mich super 92% von 100. Dafür war ich jetzt eine Woche voll außer Gefecht gesetzt. Das selbe erwartete mich auch bei den weiteren zwei Schulungen. Zwar keine Panik Attacke mehr aber ich fühlte das etwas nicht stimmt. Denn nach jeder Schulung war ich krank einfach fertig mit der Welt. Da stell ich mir die Frage in wie weit hängt das mit meinen Medikamenten und meiner vorangegangenen Behandlung zusammen. Die Nebenwirkungen durch zu lesen, ist fast wie ein Horrorroman.
Es viel mir nicht schwer alles Gelernte um zusetzten, nur war es mit einem Mal so viel das ich dachte mir platzt der Kopf. Um keinen Fehler zu machen konzentrierte ich mich auf meine Arbeit und vergaß zu Essen und zu trinken sogar meine zustehenden Pausen vergaß ich. Nach der Arbeit zu Hause war ich müde und abgespannt. Ich hatte zu nichts mehr Lust, konnte mich nicht mal aufraffen meinem Hobby nach zu gehen. Schob meine Arbeiten zu Hause vor mir her. Und dabei arbeitete ich nur 5 Stunden am Tag.

Letztendlich kam meine Ärztin zu der Ansicht, es sei besser einen Psychologen auf zu suchen. Um Himmels willen einen Psychologen aufsuchen warum ich bin doch nicht irre.

Es half aber alles nichts, der Gang zur Psychologin war nicht verkehrt. All das was in meinem Leben eine Rolle spielte, auch wenn es noch so lange her war, war plötzlich wieder gegenwärtig. Aber noch einmal zur Arbeit zurück zu kommen, ich hatte dann ein Gespräch mit unserm Personalleiter und das war nicht von schlechten Eltern. Ich bin aus diesem Gespräch sehr positiv raus und mir wurde klar, wenn du nicht wieder krank werden willst, musst du aufhören zu arbeiten. Einige werden sich sagen, meine güte was soll das. Man kann sich auch zusammen reisen. Nur ging hier nichts mehr.
Nach dem ich dann aufgehört hatte, ging der Ärger richtig los.
Da ich schon zwei Wochen vor meinem Kündigungstermin nicht mehr arbeiten musste, ging ich zum Arbeitsamt (26.05.2015) um einen Antrag auf Arbeitslosengeld I zu stellen. Nachdem ich alle Unterlagen zusammen hatte von allen beiden Arbeitgebern. Da ich von Dez. 2014 bis Juni 2015 in einem Unternehmen und zuvor in einem anderen gearbeitet habe. Es ist nun mal so, dass 12 Monate und sogar länger wie ich jetzt weiß, nachgewiesen werden muss das am Stück gearbeitet wurde. Was ich da noch nicht wusste, das ich nicht zur Ruhe kommen sollte.

Als wir zwei Wochen später immer noch nichts vom Amt gehört hatten, sagte meine Frau "ruf doch mal an". Gesagt getan. Zuerst konnte mir keiner etwas sagen. Es hieß die Unterlagen seien in Arbeit und das alles in den nächsten Tagen fertig sein solle. Gut, dachte ich mit da warten wir. Nur so lange warten konnten wir auch nicht, denn mit einem Gesamteinkommen von ca. 1200 Euro für zwei Personen, konnten wir keine großen Sprünge machen. Nach einigen Tagen riefen wir wieder an und jetzt kommt der Hammer, mir wurde mitgeteilt, dass ich keinen Anspruch auf ALG I habe da ich keine AV (Arbeitslosenversicherung) abgeführt habe. Da ist uns der Boden unter den Füßen abgegangen. Meine erste Handlung nach dem ich den Ablehnungsbescheid hatte war Anwalt anrufen und einfach heulen und sich Fragen "was haben wir verbrochen". Anstatt Ruhe ging jetzt kaum ein Tag rum an dem wir nicht mit Anwalt oder Krankenkassen und Rentenkasse telefoniert haben um herauszubekommen warum die AV nicht abgeführt wurde. Am Ende hat es sich herausgestellt, das ich einfach falsch angemeldet wurde und so die AV nicht gezahlt wurde. Passieren wird uns das nie wieder, jeder Lohnzettel wird jetzt genau unter die Lupe genommen.
Da zunächst einmal das ALG I abgelehnt wurde, und ich durch einen Mitarbeiter des Arbeitsamtes in Angst versetzt wurde nicht versichert zu sein, stellte ich einen Antrag auf ALG II beim Jobcenter. Zudem rief ich auch bei der Krankenkasse an um wegen des Versicherungsschutzes nach zu fragen. Die Dame beruhigte mich und versicherte mir, da ich eine teilweise Erwerbsminderung Rente beziehe bin ich Versichert.
Beim Jobcenter, schien alles etwas schneller zu gehen. Nur verstand ich nicht, warum ich bei der Anmeldung auf ALG II zu drei verschiedenen Personen muss um bei jeder das gleich zu erzählen. Ist aber egal, es sei nur nebenbei erwähnt. Die Sachbearbeiterin, die meine Sachen dann bearbeitete war sehr nett und hilfsbereit. An dem Tag als ich meine kompletten Unterlagen (die ja eigentlich schon hätten vorliegen müssen durch die Arbeitslosmeldung beim Arbeitsamt, beide Gebäude liegen unmittelbar nebeneinander) abgegeben hatte, errechnete mir die Dame gleich mein ALG II. Sie rief mich zuhause an um mir mitzuteilen das ich für den Monat Juni einen Anspruch von ca. 12 Euro hätte und ab Juli einen Anspruch von ca. 15 Euro. Mein erster Gedanke, will sie mich verarschen. Und schon schoss mir die Post von heute in den Kopf, da war ein Brief von der Rentenkasse mit einer Erhöhung der Rente um ca. 10 Euro. Das sagte ich der Dame aber bei dem Gespräch am Telefon nicht, da ich eh einen Termin mit ihr hatte am Folgetag. Sie unterbreitete mir, das meine Frau die Steuerklasse ändern müsse oder wieder auf 8 Arbeitsstunden aufstocken müsse, damit ich aus dem Leistungsbezug raus falle. Lasst euch das auf der Zunge zergehen.
Am Folgetag bin ich gleich 8 Uhr zum Amt und die nette Dame rechnete mir alles vor und ich legte ihr die Rentenanpassung auf den Tisch. So hatte ich nur noch einen Anspruch von 2 Euro für Juni und ab Juli 5 Euro. Mit den Worten "sollte ich auf die Zahlung bestehen, müsse meine Frau mehr Arbeiten und die Steuerklasse ändern" Ich fragte "wer gibt uns dann das Geld um am Jahresende die Steuer nach zu zahlen" kam nur ein Schulter-zucken. Ich lehnte den Bezug von ALG II ab. In der Zwischenzeit kümmerte sich eine Mitarbeiterin der Krankenkasse um die nicht gezahlte AV. Sie nahm Kontakt zu meinem alten Chef auf (ich muss erwähnen, das es die Firma nicht mehr gibt) und so kam dann ein Schreiben das mein Chef die Zahlung nachholt und so alles geregelt werden könne. Meine Anwältin hatte in dieser Zeit schon den Widerspruch gegen die Ablehnung vom ALG I an das Arbeitsamt geschickt. So hatte ich auch weiterhin Anspruch auf ALG I. Wir schickten die Bescheinigung von meinem Chef und die Bescheinigung der Krankenkasse an das Arbeitsamt mit der Bitte um schnelle Bearbeitung da es uns finanziell immer schlechter ging. Schnell war aber anders. Wir hatten schon ende August und immer noch kein Geld. Dann kam ein Bescheid in dem stand das ich wohl Anspruch ab Juni habe, aber dieser Anspruch wird einbehalten wegen Ansprüche dritter und ich erst ab Nov. 2015 ALG I beziehen solle und das auch nur bis April 2016. Das war zum aus der Haut fahren. Meine Psychologin und meine Frau versuchten mich in dieser Zeit aufzubauen, ich hatte keine Kraft mehr. Es war das Jobcenter welches Ansprüche hätte erheben können, wenn ich ALG II bezogen hätte. Die beiden Behörten liegen nebeneinander, warum können die nicht auch zusammen arbeiten. Nach langem hin und her bekam ich dann ende September was mir zustand.

Eine Last war genommen.

Der zweite Teil folgt in den nächsten Tagen.