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14.07.11

Nichts Neues

Einen schönen guten Morgen. Ja die letzten Tage waren ruhig. Die Woche hatte zwar mit Aufregung begonnen aber die konnte zum Glück beigelegt werden. Auch der Besuch beim Finanzamt ging gut, aber da kamen wir uns vor als wären wir zu blöd eine Lohnsteuererklärung aus zu füllen. Bei mir würde man sagen typisch blond, aber man hat schon mal einen Hänger und steht auf dem Schlauch das geht nicht nur mir so.
Nun rückt der Tag an dem ich den Knoten in meiner Brust zum ersten mal richtig wahr genommen habe immer näher. 

- zwei Bilder in einem Gedanken versunken
Wenn man so zurück schaut und ich meine Gedanken kreisen lasse kommt immer wieder eine Frage auf  "was wäre wenn" eigentlich möchte ich darüber nicht Nachdenken. Doch seit der Diagnose gehört diese undefinierbare Frage zu meinem Gedankenbild. Immer häufiger erwische ich mich dabei darüber Nach zu denken was wäre gewesen wenn du da anders gehandelt hättest.
Es ist schon eine seltsame Frage die auch so manche Handlungen in Frage stellt (war das richtig oder falsch), aber ich denke diese Frage stelle ich mir nicht alleine. Dabei brauche ich dieses Gedanken gar nicht zu haben. 

Das ist das einzige Foto der ganzen Familie. 


Wenn ich so in meinem Leben zurück gehe war nicht alles schlecht. Ich hatte eine fast unbeschwerde Kindheit und auch meine Jugendzeit war im großen und ganzen nicht schlecht. Klar kann ich nicht darüber berichten was ich alles los gelassen haben so wie andere da für war mein Leben nicht aufregend genug, jeden falls so lange ich noch zu Hause wohnte. Ich war auch kein Mensch der es nötig hatte auszubrechen, sprich jeden Tag Party zu machen. 
Es gab aber auch Tage an denen ich mir wünschte Erwachsen zu sein, um mich wehren zu können. Immer dann wenn meine Mutter mal schlecht gelaunt von der Arbeit kam und es nicht so aussah wie sie es sich vorgestellt hat. Da waren Argumente wie Teppischklopfer oder Gürtel schon mal gefragt. Das gehört aber der Vergangenheit an und die bestand wie schon gesagt nicht nur aus schlechten Erlebnissen.

Aber wieder zurück in die Gegenwart. Und wieder zu der Frage "Was wäre wenn". Da zu kommt nach der Diagnose die Frage "Warum" oder "Warum ich". Klar ist es schlimm so etwas zu bekommen und man fällt erst einmal in ein tiefes Loch, vor allem wen man die ganze Prozedur von der OP, Chemo bis zur Bestrahlung und Antihormontherapie im nach hinein mit machen muss. 
Da ich eine starke Partnerin an meiner Seite habe konnten wir diese Zeit gut hinter uns bringen. Wir haben jeden Tag genommen wie er kam und das Beste daraus gemacht. Und in diesem Zusammenhang kann ich sagen, es war keine so schlimme Zeit. Jetzt werden einige denken "hat die sie noch alle". Ja ich habe noch alle, denn was bringt es mir den Kopf in den Sand zu stecken und zu resignieren. Der Erkrankung kann man zu Leibe rücken und in der heutigen Zeit sind die Chancen es ganz los zu werden sehr gut. (leider gibt es aber auch Ausnahmen und die seien an dieser Stelle ganz lieb umarmt).
Haare nur noch halb so lang.
Man bekommt in den Krankenhäusern bei der Chemo mit welchen Menschen es wirklich schlecht geht und welche nur Aufmerksamkeit suchen. Ja auch bei so einer Erkrankung, aber das zeigt mir das nicht jeder einen Partner/in  oder Familie an der Seite hat die einem da durch helfen. Denen, denen es wirklich schlecht ging die haben nicht gejammert, man hat es ihnen angesehen.
Ich vergleiche die Zeit mit der Schwangerschaft und der Geburt eines Kindes, wenn man es überstanden hat ist fast alles vergessen, wie Schmerz, Tränen.

- kurz vor der zweiten Chemo noch mit Stoppeln auf dem Kopf
     Ja die Tränen, die flossen das erste mal als ich mir meine Haare abschneiden musste, weil ich nicht wollte das ich sie eines Tages auf meinem Kopfkissen liegen sehe. Das war ein Moment den ich nie wieder haben möchte. Da war auch meine Kraft zu ende. Warum ist das eigentlich so? Die Haare sind nicht nur der Schutz vor Kälte und Sonne, sie geben dir ein Aussehen. 
Ich hatte viel mühe mich im Spiegel ohne Haare ansehen zu müssen und konnte mich auch nicht an diesen Anblick gewöhnen. Und wenn ihr so in euch hineinschaut geht es jeder Frau so die das mit gemacht hat. Klar gibt es welche denen scheint das wenig aus zu machen, sagen wir äußerlich, denn wie es in ihnen drin aussieht weiß keiner.


- mit Perück
Und dann erst noch diese Perücke. Man hat da zwar etwas auf dem Kopf aber das ist man nicht selber. So zu mindest habe ich das tragen der Perücke empfunden. Ich sah in den Spiegel uns sagte mir das bin nicht ich.

Aber all das ist Vergangenheit und doch wieder nicht, denn durch meine täglichen Medikamente und die vierteljährlichen Untersuchungen gehört es nach wie vor zu meinem zu unserm Leben dazu. 

Wisst ihr was mich am meisten geärgert hatte in dieser Zeit??
Mein Schatz wurde gefragt, als man mich das erste mal mit Kopftuch gesehen hatte ob ich zum Islam gewechselt hätte. Da frage ich mich wie blöd man sein kann. Kinder sind auf mich zu gekommen und haben mich gefragt warum ich ein Kopftuch trage und Erwachsene bringen so etwas nicht fertig. Das ist schon traurig. Aber wir leben in Deutschland was will man da erwarten. Hier bleibt bei vielen Dingen die Menschlichkeit auf der Strecke. Darauf werde ich jetzt nicht weiter eingehen sonst wird der Text nie fertig.

Trotz dieser Krankheit habe ich ein Leben und in diesem bin ich nicht allein. Das ist für mich das wichtigste. So kann man in die Zukunft schauen und das Beste aus der Situation machen. Der Spruch "geteiltes Leid ist halbes Leid" ist schon wahr. So jetzt habe ich euch genug voll gequasselt und wünsche euch einen schönen Tag.